Die Erneuerung der Kirchenorgel St. Josef ab 1999

Die Pfarrer an St. Josef waren immer auch große Bauherren. Dies war auch deshalb möglich, weil die Gemeindemitglieder konkrete Bauvorhaben immer wieder durch Spenden großzügig unterstützten. Im Jahr 1998 waren zurückliegende Projekte bezahlt und man konnte sich in der Gemeinde Gedanken machen, ob ein neues Projekt geplant werden sollte. Oft schon zurückgestellt, wurde der Ruf nach einer Erneuerung der Kirchenorgel unüberhörbar. In diese Zeit fiel auch die Anstellung eines neuen Kirchenmusikers - für die Erneuerung der Orgel war die Anstellung von Herrn Jochen Stein ein Glücksgriff. Bei seinem Probespiel wies er auf erhebliche Mängel in der Harmonie der bestehenden Orgel hin. Kein Wunder - in den Kriegstagen mußten nicht nur die Glocken, sondern auch viele Zinnpfeifen der Orgel für Rüstungsaufgaben abgegeben werden. Die ursprüngliche Orgel unserer Pfarrkirche aus dem Jahr 1928 war ein stattliches Instrument mit 45 Registern. In den Folgejahren wurden immer wieder Ergänzungen und Reparaturen, allerdings ohne ein schlüssiges Gesamtkonzept, vorgenommen.

Dies wurde nun von Herrn Stein in Zusammenarbeit und Abstimmung mit dem Orgelsachverständigen des Bistums und dem Kirchenvorstand erstellt. Vier renommierte Orgelbauer wurden aufgefordert, ein Angebot für die Erneuerung unserer Orgel nach diesem Konzept einzureichen. Schnell wurde dabei klar, dass die schon gespendeten Beträge im fünfstelligen Bereich bei weitem nicht ausreichten. Mit den Anbietern wurden zahlreiche Gespräche geführt und Vorschläge zur Erneuerung der Orgel erstellt. Im Jahr 1999 fasste der Kirchenvorstand unter Pater Leo Rawalski den Beschluss zur Erneuerung der Kirchenorgel mit einem damals geplanten Kostenumfang von 465.809,60 DM. Die Firma Orgelbau Sauer aus Höxter-Ottbergen, welche in der Nachfolge der Firma Feith unsere Orgel schon seit Jahren betreut, bekam den Zuschlag. In drei großen Ausbauschritten sollte die Erneuerung der Orgel umgesetzt werden.

Ein Orgelförderkreis wurde gegründet, der durch Beiträge, Spenden und zahlreiche Aktionen die erforderlichen Geldbeträge aufbringen wollte. Denn soviel war klar: Das Bistum Essen würde sich an der Finanzierung eines solchen Vorhabens nicht beteiligen und Beschlüsse zur Auftragserteilung nur genehmigen, wenn nachgewiesen war, dass die notwendige Finanzierung gesichert war. Unser Pfarrer, Pater Leo Rawalski, sagte 1999 in seiner Predigt zum Orgelsonntag:

„Eine Gemeinde, die sich eine Kirche baut und dafür Glocken und eine Orgel anschafft, weiß offensichtlich, was ihr der christliche Glaube wert ist. Was sie sich geschaffen haben, ist Ausdruck und Zeichen ihres Glaubens. Katholische Gläubigkeit war in der Vergangenheit meist daran zu erkennen, dass sie sich im Feste-Feiern, im Musizieren, in einem stein- und bildgewordenem Jubel auszudrücken vermochte. Die Christen unserer Gegenwart werden später vielleicht einmal gefragt werden, was sie an Freude in Töne, Bilder und Dichtung umgesetzt haben. Als Gemeinde haben sie sich mit ihrem Kirchbau, mit den Glocken, der Orgel und nun mit der Renovierung der alten Orgel schöne und festliche Ausdrucksmittel ihres Glaubens geschaffen."

Nach nur zwei Jahren konnte der erste Ausbausschritt beschlossen werden. Bei der Abendmesse am 05. Mai 2002 spielte dann unsere Orgel vorerst zum letzten Mal. Die Orgelpfeifen sämtlicher Register wurden ausgebaut und gelagert. Der Spieltisch wurde in die Orgelwerkstatt nach Höxter transportiert. Ein neues Gehäuse für die Einrichtung eines Schwellwerkes mit weiteren klingenden Registern wurde erstellt und überspannte nun die beiden Orgelwerke links und rechts. Das Innere der Orgel war gründlich gereinigt, alle Pfeifen waren gerichtet, gereinigt und wieder eingesetzt worden. Etliche Register (in der Regel 56 Pfeifen) wurden neu angeschafft. Ein Windmotor wurde komplett erneuert, ein anderer repariert, ebenso alle Windführungen. Im neuen Schwellwerk wurde eine Schleiflade und Windanlage neu erstellt. Die gesamte Elektroinstallation wurde erneuert. Der alte Spieltisch wurde erhalten und hat in Höxter eine Rundum-Erneuerung erfahren. Spieltisch der Orgel St. Josef

Ein Jahr später, am 19.04.2003, bei der Feier der Osternacht, konnte die teil-erneuerte und reparierte Orgel zum ersten Mal wieder bei einem Gottesdienst erklingen. Nachdem die Orgel nach Reinigung, Reparatur und weiteren vorbereitenden Baumaßnahmen schon einige Zeit wieder die Gottesdienste musikalisch begleitete, konnte nun der geplante zweite Ausbauschritt erfolgen: Der Ausbau des Schwellwerkes!

Ein Schwellwerk hatten sich in der Vergangenheit schon alle Organisten gewünscht. Vereinfacht dargestellt wurden am Gehäuse des Schwellwerkes verstellbare "Jalousien" angebracht. Mit diesen Jalousien wird der Klangkörper des Schwellwerkes mehr oder weniger geöffnet oder geschlossen und dadurch das Klangvolumen der Register im Schwellwerk geregelt. Aber nicht nur diese Regelung, sondern vor allem wurde das Schwellwerkes mit weiteren klingenden Registern gefüllt.

2004 fand im Hauptwerksgehäuse auf einer Transmissionslade das Register „Cor anglais“ seinen Platz, das von verschiedenen Manualen und dem Pedal aus zu spielen ist. 2006 wurden die Windladen in das noch leere Gehäuse des Schwellkastens eingebaut werden, eine Windanlage wurde unter großem Aufwand im Turm installiert und die Register des Streicherchores sowie die Oboe wurden eingebaut und intoniert. Schon jetzt war hörbar, daß die Register des Schwellwerkes eine große Klangfülle im Raum entfalten konnten und gut mit den Klangfarben der vorhandenen Werke harmonisierten. Im Sommer 2008 wurde das Schwellwerk komplett fertig gestellt, Flötenchor und Zungenregister vereinen sich mit dem Streicherchor und der Harmonia aetheria zu vollen, weichen Klängen. Besonders das Register Salicional 16’, bis zum großen C in voller Länge gebaut, gibt dem Werk eine große Fülle. Bemerkenswert auch der Klang der Clarinette 8’, des einzigen Registers mit durchschlagenden Messingzungen.

Mit einer Orgelvesper konnte am Christkönigsonntag 2006 die Einweihung der erweiterten Kirchenorgel gefeiert und beim anschließenden Abend im Pfarrsaal allen Spendern gedankt werden. Durch ihre Spenden, die monatlichen Kollekten für die Orgel, die Mitgliedsbeiträge für den Orgelförderkreis und durch die Aktionen des Förderkreises konnten die notwendigen 325.000,00 € gesammelt werden. Nach den letzten Ausbauarbeiten konnte am 17. August 2008 der Ausbau der Kirchorgel abgeschlossen werden. Einige Wünsche, die für den 3. Ausbauschritt vorgesehen waren, mußten nach den Beschlüssen zur Neustrukturierung der Pfarreien im Bistum Essen offen bleiben. Hierbei handelte es sich im wesentlichen um große 32 '-Pfeifen und ein Glockenspiel, das an den Seitenwänden im Turm einen Platz finden sollte.