Die Geschichte der Kirche Heilig Kreuz
Die Gemeinde St. Josef-Ückendorf war zeitweise mit über 17.000 Seelen die größte Gemeinde Deutschlands. Kurz nach Ende des 1. Weltkrieges dachte man deshalb an den Bau einer neuen Kirche in Ückendorf. In den Jahren 1919 und 1920 wurden zwei Grundstücke an der Bochumer Straße erworben. Der Auftrag für einen Erschließungsplan ging 1922 an den Gelsenkirchener Architekten Josef Franke. Auf Grund der schlechten wirtschaftlichen Lage kam es aber immer wieder zu Verzögerungen. 1926 befasste sich der Kirchenvorstand erneut mit der Abgrenzung eines Seelsorgebezirks und dem Bau der neuen Kirche. Der erste Spatenstich für eine neue Vikarie erfolgte am 19. November 1926 und am 1. Juni 1927 folgte der Beschluß zum Bau der neuen Kirche nach den Plänen von Josef Franke. Unerwartete Probleme bereiteten die Fundamentierung und das schlechte Wetter. Der wirtschaftliche Niedergang in Deutschland, die Schließung der Zechen Rheinelbe, Alma und von Schacht 1 der Zeche Holland brachte die durchaus finanzstarke Gemeinde St. Josef an den Rand ihrer Leistungskraft. Dennoch wurde im Jahr 1929 der Kirchbau vollendet.
Am 31. August 1929 ernannte der Erzbischof von Paderborn den an St. Josef tätigen Vikar Meinolf Niggemeyer zum neuen Pfarrvikar an Heilig Kreuz. Am 2. Oktober 1929 erfolgte die Konsekration der Kirche, in deren Altar die Reliquien der Heiligen Amandus und Aureus ruhen, durch Dr. Kaspar Klein, Erzbischof von Paderborn. Einige Tage später erhielt die Kirche die neuen Glocken.
Mit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten im Jahr 1933 erschwerten sich die Bedingungen kirchlicher Arbeiten ganz erheblich. Fast das ganze Vereinsleben kirchlicher Vereine wurde durch die nationalsozialistische Regierung stillgelegt. 1937 wechselte Pfarrvikar Niggemeyer, der durch persönliches Engagement die Aufbauarbeit der Gemeinde vorangetrieben hatte, nach Heßler, wo er am 13.02.1949 ermordet wurde.
Als neuer Pfarrvikar folgte Josef Plümpe. Über 300 Gemeindemitglieder waren inzwischen zum Heeres- oder Arbeitsdienst eingezogen. 1941 kam Erzbischof Lorenz Jäger trotz des Krieges nach Hl. Kreuz, um den Jugendlichen der Gemeinde das Sakrament der Firmung zu spenden. Bombenangriffe haben der Hl. Kreuz-Kirche zwar keine allzu großen Schäden zugefügt, aber ganz verschont blieb auch diese Kirche nicht. Die Kirche konnte aber trotz der Schäden an Fenstern und Portal durchgehend genutzt werden.
Heilig Kreuz wird selbständige Pfarrei
Nach Kriegsende begann der Wiederaufbau der Gemeinde in allen Bereichen, obwohl erst 1948 die letzten Fenster nach einem Entwurf der Firma Klocke aus Rotthausen erneuert werden konnten. In der Sitzung des Kirchenvorstandes St. Josef vom 30.06.1947 wurde dann die Abpfarrung von Hl. Kreuz beschlossen und durch die erzbischöfliche Behörde am 1. Juli 1948 zur eigenständigen Pfarrei erhoben. Pfarrvikar Josef Plümpe wurde dadurch zum ersten Pfarrer an Heilig Kreuz ernannt. Am 06. Juli 1952 begleiteten 35 Priester und eine große Zahl an Gemeindemitgliedern Pfarrer Plümpe auf seinem letzten Gang zum Südfriedhof, wo er in der Priestergruft beerdigt wurde.
Ihm folgte am 31. August Franz Maurer als neuer Pfarrer. Die von Pfarrer Plümpe begonnenen Bauarbeiten am neuen Pfarrheim wurden 1953 beendet. Im Folgejahr wurde mit dem Bau eines Kindergartens begonnen, der am 15. April 1955 seiner Bestimmung übergeben wurde. 1957 wurde das neue Pfarrhaus mit Pfarrbüro auf der linken Seite des Kirchenvorplatzes fertig gestellt.
Jahre des Wandels
1966 erfolgte die erste große Renovierung der Hl. Kreuz-Kirche. Die inzwischen eingeleitete Liturgiereform und stärker auftretende Bergschäden beschleunigten den Arbeitsbeginn. Die Neuausmalung und Neugestaltung der Kirche war bereits 1961 bei Gesprächen der beteiligten kirchlichen Organe getroffen worden. Dr. Franz Hengsbach, der erste Bischof des neu gegründeten Ruhrbistums, kam nach Abschluss der Arbeiten zur Firmfeier von 119 Mädchen und Jungen in die erneuerte Kirche Hl. Kreuz.
1966 ging auch der Bau einer dritten katholischen Kirche in Ückendorf, Sankt Thomas Morus, seiner Vollendung entgegen. 1981 wurde Pfarrer Maurer in den Ruhestand versetzt. Der neue Pfarrer wird Georg Goertz, der aber schon 1985 eine Gemeinde in Essen-kupferdreh übernimmt.
Am 23. Februar 1986 tritt Reinhard Lauer die Nachfolge als Pfarrer an Hl. Kreuz an. Er sollte der letzte Pfarrer dieser Gemeinde sein. Weitere Renovierungsarbeiten an Kirche und Pfarrgebäuden wurden notwendig, bevor 22 Jahre nach der ersten großen Renovierung im Jahr 1990 der Architekt Franz Wortmann mit der Planung einer erneuten Renovierung beauftragt wurde. Für die künstlerische Beratung wurde Frau Dr. Darmstadt aus Bochum-Stiepel gewonnen. Ab dem 7. Februar 1993 konnte die Gemeinde in der hervorragend gestalteten Erneuerung, die 1997 mit dem Ehrendiplom "Europa Nostra" ausgezeichnet wurde, dann wieder die Gottesdienste feiern.
Im Jahr 2007 ist die Zahl der katholischen Christen im Bistum Essen und auch in Ückendorf so sehr gesunken, dass die Heilig Kreuz-Kirche "außer Dienst" gestellt und Sankt Thomas Morus Filialkirche der neuen Gemeinde St. Josef wird. In einem ergreifenden Dankgottesdienst haben die Gemeindemitglieder und viele Gäste am 19. August 2007 Abschied von unserer Gemeinde Hl. Kreuz und von der Kirche genommen.
Das Kirchengebäude
Die zwischen 1927 - 1929 wurde nach einem Entwurf von Josef Franke errichtete Kirche ist ein Hauptwerk der expressionistischen Backsteinarchitektur. Sie liegt zurückgesetzt an einem ruhigen Vorplatz. Das rechte Flankengebäude wurde auch von Franke entworfen, das linke Gebäude ist ein maßstäblich gut eingepaßter Nachkriegsbau.
Die Fassade ist ein hoher blockhafter Riegel, in den ein großes Fenster in Form einer Parabel eingeschnitten ist. Die als Fassadenschmuck vorgesehenen Apostelfiguren sind als rohe Steinblöcke belassen worden. Das Auge wird angezogen von dem riesigen gemauerten Christus.
Eine Eisenbetonkonstruktion bildet das statische Gerüst, die Fassaden sind mit Klinkern verblendet. Innen sind Gemeinderaum und Chor von Architektur und Lichtführung her sehr unterschiedlich behandelt. Parabelbögen gliedern in dem eher dunkleren Langhaus die einzelnen Gewölbejoche und parabelförmig sind auch die Anschnitte zu den verdeckt liegenden Fenstern. Der Chor ist ein heller, hoher Raum: im unteren Teil ist die zweischalige Wand von parabelförmigen Arkaden umgeben. Außen beherrscht der Chorturm mit seiner expressionistischen Bekrönung das Stadtbild zur Bergmannstraße. Die "mystisch-warme" Ausmalung von A. W. Ballin (Gelsenkirchen) war in den 60er Jahren übermalt worden.
Für die 1993 behutsame Sanierung, die Freilegung und die Restaurierung der expressionistischen Gewölbeausmalung sowie die darauf abgestimmte Neufassung des Innenraumes ihrer Parabelkirche wird der Kirchengemeinde Hl. Kreuz das Ehrendiplom von Europa Nostra verliehen. Die Arbeiten wurden unter maßgeblicher Beteiligung von Frau Dr. Christel Darmstadt durchgeführt.
Diese Parabelkirche gilt als das Hauptwerk des Architekten Josef Franke. Sie ist ein einzigartiges Denkmal des Backstein-Expressionismus. Die Majestät des Raumes erschließt sich dem Betrachter bei einem Besuch der Orgelempore, der sehr zu empfehlen ist.
EUROPA NOSTRA
"EUROPA NOSTRA", vereint mit dem "Internationalen Burgeninstitut", ist eine gesamteuropäische Organisation der derzeit 31 Nationen angehören. Die wichtigsten Ziele von EUROPA NOSTRA / IBI sind die Erhaltung und Verbesserung des architektonischen und natürlichen Erbes, der Schutz der Umwelt und die Förderung eines hohen Standards der Architektur sowie der Städte- und Landschaftsplanung im Dienst des Europäischen Kulturerbes. Um dies zu erreichen, unterhält EUROPA NOSTRA ständige Verbindung mit den Europäischen Institutionen, wird von diesen als "Sprachrohr" verstanden und hat Beraterstatus beim Europarat in Strassburg.
Mit dem EUROPA NOSTRA PREIS, der 1978 ins Leben gerufen wurde, werden Projekte ausgezeichnet, die einen sehr bedeutenden Beitrag zur Erhaltung und Bereicherung von Europas architektonischem und natürlichem Erbe leisten. 1996 erhielten von 125 Bewerbern aus 20 europäischen Ländern fünf Objekte eine Medaille und 30 ein Ehrendiplom, auf Deutschland entfielen eine Medaille und vier Ehrendiplome.
1996 wurde die Preisverleihung finanziell unterstützt durch die EUROPÄISCHE KOMMISSION.